Knapp 200 Einsatzkräfte von Feuerwehr und Bayerischem Roten Kreuz üben für den Großschadensfall am Bahnübergang zwischen Prosselsheim und Oberpleichfeld.

Die Situation war täuschend echt: Zwei PKW ́s lagen komplett deformiert auf bzw. neben dem Bahndamm, aus dem Schienenbus der Mainschleifenbahn drang lautes Geschrei, als der Lokführer gegen 9 Uhr den Notruf 112 wählte. Damit setzte er eine Kettenreaktion von Meldungen an lokale und überregionale Einsatzkr fte der Feuerwehren und des Roten Kreuzes in Gang, die zur Rettung von Leib und Leben an den Bahnübergang zwischen Prosselsheim und Oberpleichfeld anrückten. 35 Personen mit unterschiedlichen Verletzungs- und Behandlungsbildern, so das Szenario, befanden sich in den verunfallten Fahrzeugen, sowie in dem Schienenbus und mussten gerettet werden, medizinisch versorgt und anschließend betreut werden. Hinzu kommt noch, dass der Lenker eines Wohnwagengespannes, auf Grund des Schrecks, das Gespann in den Seitengraben manövrierte. Hier konnten Feuerwehren, Rettungskräfte und auch das Personal der Mainschleifenbahn ihr Wissen und Können praxisnah erproben und unter Beweis stellen.

Gegen 9 Uhr ertönten am Samstag im Raum Prosselsheim / Volkach die Sirenen. Kurze Zeit später trafen die ersten Feuerwehren und Rettungswägen an der Schadenstelle ein.
Für die Einsatzkräfte bot sich ein Bild des Schreckens. Lautes Geschrei der Unfallopfer, Rauch und umherirrende, panische Opfer empfingen die Einsatzkräfte. Seitens des Rettungsdienstes eilten im „Erstangriff“ vier Rettungswägen und zwei Notärzte, sowie der Einsatzleiter Rettungsdienst an den Unglücksort.

Der Einsatzleiter Feuerwehr, zweiter Kommandant der Feuerwehr Prosselsheim, Alexander Herbig und der Einsatzleiter Rettungsdienst Florian Hauck erkannten sofort, dass die auf der Anfahrt befindlichen Einsatzkräfte beider Organisationen nicht ausreichen werden. So veranlasste man eine umfangreiche Nachalarmierung.

Gleich von Beginn der Übung wurden drei Einsatzabschnitte gebildet.
Im Einsatzabschnitt „Zug“, drehte sich die Arbeit um die Evakuierung der 15 Zugin- sassen. Der zweite Abschnitt „Wohnwagen“, kümmerte sich um das verunfallte Wohnwagengespann. Im dritten Abschnitt wurden die im PKW, welcher in der Böschung auf dem Dach lag, eingeklemmten Personen gerettet.

Während man im zweiten Abschnitt mit den Rettungsmaßnamen begann, explodierte die im Wohnwagen befindliche Gasflasche. (Simuliert durch entsprechende Pyro- technik) Das Gespann fing in Folge dessen Feuer. Trotz des lauten Knalls, ließen sich die Einsatzkräfte nicht aus der Ruhe bringen und setzten Ihre Arbeit ruiniert fort. Die eingeklemmten Unfallopfer konnten unter schwerem Atemschutz aus dem PKW befreit werden.

Bei dem in die Böschung geratenen Auto stellte sich die Rettung etwas schwieriger dar. So musste das komplette Material durch das Gelände getragen werden, ehe man mit den Rettungsmaßnahmen beginnen konnte. Nichts desto trotz konnten auch hier alle zügig gerettet werden. Das auf dem Gleisbett liegende Fahrzeug wurde ebenfalls zerschnitten, sodass die vier Insassen befreit werden konnten. Doch nicht nur die Mannschaft wurde auf die Probe gestellt. Die Führungskräfte mussten Ihre jeweilige Einsatzstelle genaustens erkunden. Durch den sog. Würfelblick verschaffte man sich einen optimalen Überblick der Schadenstelle. So wurde auch das aus dem PKW geschleuderte Kind gleich entdeckt.

Seitens des Bayrischen Roten Kreuzes wurde der Massenanfall von Verletzten geübt. Unter der Leitung von Organistorischem Leiter Paul Justice und dem Leitenden Notarzt Professor Thomas Wurmb wurden die Verletzten gesichtet und anschließend behandelt. Zur zentralen Versorgung der Unfallopfer, wurde eine Patientenablage eingerichtet. Von hier aus wurde auch der Abtransport in umliegende Krankenhäuser organisiert. Kreisbereitschaftsleiter Martin Falger, der als Beobachter fungierte, zeigte sich zufrieden mit der Leistung: „Von der Rettung der Patienten aus dem Unfallwrack bis zum Abtransport ins Krankenhaus, hat alles reibungslos funktioniert. Grund der enorm engen Zusammenarbeit zwischen BRK und Feuerwehr verlief die Patientenübergabe perfekt.“

Im Einsatzleitwagen der Unterstützungsgruppe Örtliche Einsatzleitung (UgÖel) liefen alle Fäden zusammen. Die UgÖel sorgte für eine reibungsloses Kommunikation, stellte die Situation auf einer Lagekarte da und erleichterte die Arbeit der Führungskräfte enorm. Der Digitalfunk bewies sich auch bei dieser Großübung als das richtige Kommunikationsmittel.

Im Einsatz waren die Feuerwehren aus Prosselsheim, Püssensheim, Untereisenheim, Oberpleichfeld, Kürnach, Rottendorf und Volkach, mit knapp 120 Einsatzkräften. Hinzu kommt das Bayerische Rote Kreuz aus dem Kreisverband Würzburg mit ca. 80 Einsatzkräften.

Das ein solches Szenario nicht ganz aus der Luft gegriffen ist, zeigt eine Statistik der Deutschen Bahn. Alleine 2015 ereigneten sich 171 Unfälle an deutschen Bahnübergängen. Knapp 90% der Unfälle ist auf Grund Fehlverhalten von PKW-Fahrern zurückzuführen, heißt es von der Deutschen Bahn.

Im letzten Jahr gab es zwei Ausbildungen zum Thema Unfällen auf Gleisen. Das diese Übungen gepaart mit dem regulären Ausbildungen der Feuerwehren ihre Wirkung zeigen, war auch für Würzburgs Landrat Eberhard Nuß klar. Er dankte in der Nach- besprechung allen für Ihr ehrenamtliches Engagement. „Ich fühle mich als Bürger wieder ein Stück sicherer, wenn ich eure tolle Arbeit am heutigen Vormittag gesehen habe.“, so Nuß

Das so eine Großübung extrem aufwändig in der Vorbereitung ist, zeigte das Team rund um Kreisbrandinspektor Mathias Olbrich, dem ersten Kommandant der Feuerwehr Volkach Fred Mahler, sowie dem ersten Kommandanten der Feuerwehr Prosselsheim, Elmar Scholl. Ein dreiviertel Jahr lang arbeiteten die Drei, in enger Zusammenarbeit mit Wolfgang Schramm von der Mainschleifenbahn, die Übung aus.

In einem ersten Resümee der Übung zeigten sich alle Beobachter sehr zufrieden. Trotz des nicht alltäglichen Szenarien wurde im Großen und Ganzen eine höchst professionelle Arbeit gezeigt. In der kommenden Woche treffen sich alle beteiligten Führungskräfte zu einer Nachbesprechung um Verbesserungen anzusprechen, die dann in die zukünftige Ausbildung mit einfließen.